Dienstag, 20. März 2012

nachts am See. Wie schön es ist. Man könnte garnicht meinen, dass die Stadt tagsüber so laut, so grau, so traurig, so unzuverlässig ist. Ich laufe an deinem haus vorbei und wieder mal fällt mir auf, wie lange wir uns nicht gesehen haben. Wie lange wir nicht mehr richtig mit einander geredet haben. Wie lange du mir schon eine Antwort schuldig bist.
Ich versuche die Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben und versuche mich auf Bio zu konzentrieren. Die Dinge nochmal im Kopf durchzugehen, nochmal über dies und das nachzudenken.
Viele Jogger kommen mir entgegen, Fahrradfahrer, Pärchen, Singles, Freunde, Hunde, Katzen. 2 Jugendliche fahren auf dem Fahrrad an mir vorbei. Ein Mädchen, vielleicht 14, dunkle Haare, ein bisschen pummelig, nicht gerade hübsch, aber man sieht ihr an, dass sie später hübsch sein wird. Sie schaut immer wieder zu einem Jungen. Er ist nicht viel älter als sie, blond, ein bisschen klein, aber er sieht sympatisch aus. Sie unterhalten sich, und das Mädchen lacht über etwas, was der Junge gesagt hat.
Flashback.
Du und ich, wie du mich nachts immer nach Hause gebracht hast. Wie uns nie der Gesprächsstoff ausging und wie ich nur dann über die Seestraße fahren durfte, wenn du versprochen hattest, mich zu bringen. Wie du mich zuhause abgeholt hast, und mich auch wieder abgeliefert hast. Immer darauf geachtet hast, dass ich wirklich rein gekommen bin und nicht vor der Tür stand. Wie wir uns über alles unterhalten konnten, sogar über deinen Besten Freund lästern konnten, ohne dass ich es je schlimm gefunden hätte. Wie du diesen Assis gesagt hast, sie sollen mich gefälligst in Ruhe lassen, sonst würden sie ordentlich Ärger bekommen. Wie du mir deinen Bruder vorgestellt hast, und mir später erzählt hast, er sei das wichtigste für dich.
Und jetzt? Ja, jetzt sehen wir uns in der Schule, wir lächeln, wir wissen so viel über einander. wir sehen so viel, was andere nie ahnen werden. Wir kennen uns so gut. -Zu gut. Ich weiß zu viel über deinen Vater, darüber, wie du lebst und was du machst. Ich weiß zu viel, um es einfach so hinzunehmen, dass dein Leben gerade den Bach runtergeht. Aber ich weiß auch zu wenig, um mir ein Herz zu nehmen und dich zu fragen, was los ist. Mittlerweile lebt dein Bruder in Hamburg. 1000 Kilometer von hier. Dein Vater in einem anderen Haus. Du in einer anderen Welt. Und das einzige, was ich wirklich weiß, ist, dass ich dich vermisse.
Schon eine ganze Weile lang.

Ich kann dem Mädchen, dessen Lachen gerade langsam verebbt nur wünschen, dass es gut auf seinen Besten Freund aufpasst. Dass es sich nicht von den üblichen Dingen abschrecken lässt, dass es sich von niemandem erzählen lässt, er sein ein Arschloch. Dass sie sich von ihm nicht erzählen lässt, er bräuchte sie nicht, er käme gut klar. Ich kann ihr nur wünschen, dass sie weiß, wie gut er ist, und dass sie ihn festhält, wenn er in die falsche Richtung laufen will, dass sie ihn loslässt, wenn er in die Freiheit will und dass sie ihn zurück nimmt, wenn er wiederkommen will.
Ich kann ihr nur wünschen, dass sie es besser macht.

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