Mittwoch, 2. Mai 2012

5 Uhr morgens. Mein Bauch tut weh und aus irgendeinem Grund habe ich Lust auf Schokolade.
Du kommst doch auch, oder? Wohin? Zum Ball?
Achso. Klar. Ich lächle sie an.
Ich brauche noch ein Kleid.
Sie grinst. Ich kann dir eins leihen.
Ich nicke und schaue sie an. Sie hat abgenommen. Mal wieder. Mal wieder mehr, als gut wäre und mal wieder genau so viel, dass ich finde, dass es gut aussieht. Ich schaue an mir runter. Ihr Kleid passt mir nie im Leben.
Flashback. Der See, die Jungs, alle mit einem Döner.
Willst du auch einen? Nein, danke. Wieso nicht? Keine Kohlenhydrate nach 6. Warum? Weil mein Trainer sagt, ich sei fett. Die Jungs schauen an mir runter. Du bist doch nur Haut und Knochen! Ich schüttel den Kopf.
Flashback. Mein Bester Freund.
Komm sag mal. Was sagen die anderen so über mich? Er schüttelt den Kopf. Da fühlst du dich nur angegriffen! Ich schüttle den Kopf. Naja, A. Er meint, du hättest nicht so ausgeprägte Kurven... Ich schaue an mir runter.

Keine Schokolade. Auch nicht um 5 Uhr früh.
Kein Essen. Kein Fett. Keine engen Klamotten.

Und dann fing es plötzlich an, nicht mehr aufzuhören.
Scheiße.



Wir waren 14. Standen in Leggins und Top vor dem Spiegel und betrachteten unsere Arme. Sie grinste mich glücklich an. "schau mal, kein bisschen Fett!" Ich schaute an mir herunter. Und blickte sie an. "Wie machst du das?" Schulterzucken. "naja, weniger Essen. Und so unnötige Sachen wie Kuchen und so halt weg lassen. Wenn man sich dran gewöhnt hat, is es ganz einfach" Ich nahm alles in mich auf. Sie war so schlank. Sie musste es ja wissen.
Und dann verschwanden die Ringe über meiner Jeans. Dann verschwanden meine Schenkel, meine Brüste, mein Lächeln. Meine Rippen kamen zum Vorschein, Hüftknochen, Schulterknochen. Und immer, wenn die Jeans nicht mehr passte, kam das Lächeln wieder.
Weniger Brot, mehr Bananen. Weniger Essen, mehr Sport.
Wir waren so stolz. Darauf, die schlankesten zu sein. Keine dieser Elefanten, sondern die Elfen. Liefen im BH rum, ohne und zu schämen, rannten im Bikini am See lang und freuten uns, dass alle neidisch waren. Neidisch auf unsere Sommerfigur, neidisch darauf, dass mir ihre Sachen passten.
Und wir lachten, wenn sie Eis aßen. Wenn sie sich Pommes holten oder in der Mittagspause Pizza aßen. Holten uns einen Apfel und redeten. Ganz viel Wasser, ganz wenige Essen. Und waren neidisch. Neidisch darauf, dass sie nicht froren, dass sie eine Pizza aßen. Neidisch, dass sie Kurven hatten.
Fressatacken, Hungern, Kotzen, Trinken, Essen, Essen, Essen! Und jetzt sind wir wieder beim Hungern. Sie wie immer ein bisschen früher als ich.
Welcome to the good life


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