Dienstag, 15. Mai 2012


Ich fühle mich wie in einem Gericht. Jeder betrachtet den anderen, jeder beurteilt den anderen. Jeder weiß, wer was getan hat, oder bildet sich zumindest ein, es zu wissen. Abschätzende Blicke, Musterungen, demütigendes Augenverdrehen oder wissendes Grinsen. Ab und zu sogar ein zustimmendes, bewunderndes Lächeln.
Hier richtet jeder über jeden, in jeder freien Minute. Sie reden, sie tauschen sich aus. Sie lästern und beurteilen, sie verteilen und stecken ein. Sie beobachten einen, finden deine Schwachstelle, setzen an, zielen und machen dich fertig, wenn du ihnen nicht jeden Tag aufs Neue ausweichst. Sie verständigen sich durch Blicke, lassen dich nie ganz an sich heran. Sie bilden sich ihr Urteil, und dann wird es verkündet. Sie klopfen mit dem Hammer, stecken die Köpfe zusammen und verkünden es so, dass es keiner hört. Man kann keinen Einspruch erheben. Man bekommt genau das, was man verdient hat. Manchmal vielleicht ein bisschen mehr, manchmal ein bisschen zu wenig. Sie richten, ohne Zeugen zu befragen, ohne den Anwalt anzuhören.
Sie haben ihre eigenen, privaten Versammlungsräume, sie verraten keinem, in welchem sie sich treffen. Mit wem sie sich treffen. Sie wissen den Code zu ein paar Türen. Um so cooler, um so mehr Codes wissen sie.
Und dann kommt der Moment, wo sich all die Gerichte treffen. Wo darüber verhandelt wird, wer geächtet, geköpft, gehasst, verbannt, geliebt, bewundert, verstoßen wird.
Die Pflichtveranstaltungen der Stufe.

Herzlich willkommen in der Schule.

Kommentare:

  1. hey meine liebe .. ich wollte einafch mal kurz danke sagen, für so einen schönen Blog.
    Ich drück dich und wünsch dir ganz viel Liebe für die Ferien.
    alles liebe
    deine M.-

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  2. Der Text ist einfach so wahr!
    Ich bin echt froh, dass ich jetzt studiere und in der Massenuni eh nicht auffalle, weder positiv, noch negativ:P

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