Sonntag, 13. Mai 2012


Wie schafft es meine Mutter eigentlich immer, mir mein Wochenende zu verderben? Wie macht sie das, dass ich Sonntag morgen noch denke, dass es vielleicht sogar ein schöner Tag werden könnte und dass ich spätestens nachmittags um 3 keine Lust mehr auf diese Familie habe. Auf diese ewige Idylle, die nur in den Gedanke meiner Mutter existier? Dieses ewige happy family, wobei ich doch in keinster Hinsicht „happy“ hier bin. Nein. Ich bin müde. Müde, in dieser Familie zu leben, müde mir immer die gleichen Diskussionen antun zu müssen. Müde, zu lachen, wenn es die anderen erwarten, müde immer um die gleichen Vorschriften zu kämpfen.
Und plötzlich vermisse ich diesen Typ. Diesen Typ, den ich auf dieser Party kennengelernt habe. Dieser Typ, der es geschafft hat, mich zum lachen zu bringen, als ich fast vergessen hatte, was das heißt. Der es geschafft hat, mit mir zusammen zu arbeiten, als ich nur noch an mich geglaubt habe. Der mich mochte, als ich schlechte Laune hatte, der mich umarmt hat, auch wenn ich mich mit jemandem unterhalten habe. Dieser Typ, der es okay fand, dass ich mich nicht auf seinen Schoß gesetzt habe, weil meine Mama da war. Dieser Typ, den ich für eine Weile perfekt fand. Bis er mich auf dieser Party ignoriert hat, bis er mir nicht mehr auf meine Mails geantwortet hat.
Und trotzdem würde ich mich freuen, wenn er jetzt da wäre. Wenn er einen seiner typischen Witze reißen würde, und mich dann lachend ansehen würde. Er würde es vielleicht schaffen die nötige Ironie und den nötigen Lebensmut in diesen kalten, windigen Sonntagnachmittag zu bringe. Er würde mir vielleicht den Kopf ein bisschen leer pusten und mit mir über meinen Spanischlehrer lästern, anstatt mir zu sagen, wie langweilig das doch alles sei. Er würde mir vielleicht ein Kompliment für mein Kleid machen, anstatt mir zu sagen, dass ich doch lieber das andere anziehen soll.
Er wäre vielleicht einfach da und würde sich um mich, anstatt um meinen Bruder kümmern.

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