Dienstag, 26. Juni 2012

Diagnose: Bulemie.
Mir fällt fast der Telefonhörer aus der Hand, als A mir das aus ca. 600km Entfernung erzählt. Das kann doch nicht sein. Wie schaffen es meine Freundinnen eigentlich immer, sich die idiotischsten Dinge einfallen zu lassen? Ich habe es ihr so oft erklärt: Lass die Finger von Essstörungen. Da kommst du nie wieder raus.
Und sie hat genickt und es mir geglaubt. –Ich bin schließlich Experte in diesem Gebiet. Es gibt nichts, was ich noch nicht versucht hätte, nichts, womit ich meinen Magen noch nicht gequält hätte.
Aber dann verstehe ich es. Plötzlich ist mir wieder klar, warum. Kontrolle, Wissen und das Gefühl etwas zu bedeuten. Mein Mittagessen steht unberührt vor mir, ich blicke auf das belegte Brot und klemme mir den Telefonhörer zwischen Schulter und Ohr. „hm hm“ , brumme ich verständnisvoll. Natürlich verstehe ich. Natürlich weiß ich, wie es ist, wenn man nichts gegessen hat. Natürlich kenne ich das Gefühl, wenn Hunger zum Freund wird. Natürlich.
Und natürlich weiß ich genau, wie abnormal es ist. Wie komisch man sich in einem vollen Supermarkt fühlt, wenn man den ganzen Tag noch nichts gegessen hat und die Freundinnen darüber diskutieren, welche Chips die leckersten sind. Natürlich weiß ich wie absurd man sich vorkommt, wenn man wach bleibt, um kotzen zu gehen, wenn sie alle schlafen. Natürlich kenne ich dieses Stechen in der Seite, wenn einen jemand mustert und dann fragt „hast du abgenommen?“ und natürlich weiß ich, wie dumm man sich vorkommt, wenn man immer noch nicht so dünn, wie die Models im Fernsehn ist. Und wie es sich anfühlt, als müsste die Seele kotzen, wenn man sich den Finger in den Hals steckt und mit jedem Mal ein bisschen mehr von sich selber auskotzt.
„klar. Kenn ich“, kommentiere ich die neusten Ausführungen von A.
Ich öffne den Mülleimer und kippe mein Brot hinein. 

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