Freitag, 13. Juli 2012


Ich sehe, wie die Tänzer auf die Bühne gerannt kommen. Sie haben diesen unverkennbaren „is mir egal, was ihr denkt“ Blick drauf, wie ihn nur HipHoper haben. Sie stellen sich langsam auf, lassen sich Zeit. Leiden unter keinem Druck und erwecken nicht den Anschein, als müssen sie irgendjemandem etwas beweisen.
Die Musik geht an. Sie ist laut, zerreißt die Stille und bringt den Raum zum beben. Sendet Schwingungen aus und versetzt die Zuschauer in Euphorie. Zwingt ihnen ein Lächeln ins Gesicht, obwohl sie noch keinen einzigen Schritt gesehen haben.
Die Tänzer beginnen. Fallen zur Seite, tanzen Duetts, Poping, Locking, alles was man sich wünschen kann. Ein Typ kommt im Robotstyle nach vorne, während die andern unbekümmert weiter machen. Als das Publikum anfängt zu johlen, kann man tatsächlich ein Grinsen auf seinem Gesicht erahnen. Und plötzlich spüre ich es. Spüre die Verbindung zwischen den Tänzern, merke, wie sie anfangen zu lächeln, wie sie all ihre Emotionen in die Musik und in die Bewegung stecken. Sehe, wie sie lieben, lachen, leiden und das alles mit einem Fußkick ausdrücken können. Ich bekomme Gänsehaut, weil diese Jugendlichen wahrscheinlich noch nie gehört haben, sie sollen lächeln und der Masse etwas vorspielen. Ich höre meine Trainerin, wie sie jede Bewegung verbessern würde und sehe, wie die Tanzschulleiterin voller stolz auf ihre Gruppe blickt. Ich merke, dass es hier nicht darauf ankommt, wer das schönste Turnout oder die dünnsten Beine hat. Das es egal ist, ob man routiniert lächelt oder ganz in seiner Welt versunken ist. Hier zählt nur eins: Dass man sich mit der Musik ausdrücken kann. Und dass man es spürt. Diese unglaubliche Verbundenheit, dieser Begeisterung und diese Freude, die mir Gänsehaut auf die Arme zaubert und mich an einem 30 Grad warmen Tag zum frieren bringt.



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