Montag, 2. Juli 2012

Reinrennen, lächeln, hochspringen, den Stretch nicht vergessen, die Schultern zurück, den Bauch rein, das verrutschte Kleid nicht beachten. Nicht die Haare aus dem Gesicht streichen, einfach lächeln und weiter machen. Bein strecken, los, höher! Ich hören meinen Trainer förmlich, was er mir ins Ohr schreit, und meine Freundinnen, wie sie mich später loben werden. Das Bein ins Passé, noch ein bisschen weiter ausdrehen, lächeln, drehen, bloß nicht das Gesicht oder das Gleichgewicht verlieren. Über den Boden rollen, den Blickkontakt nicht verlieren, aufstehen, hoch springen, autsch, mein Fuß, egal, lächeln, hinter der Bühne liegt Tape, damit kann man alles kleben. -Auch ein paar kaputte Bänder.
Drehen, drehen, drehen, lächeln, hochspringen, noch eine Drehung, Backstage.
Das Lächeln geht, ich verfallen wieder in meine übliche Routine und Konzentration. Nachzählen, noch 3 Stücke, dann muss ich wieder hoch. Tape suchen, Bein abkleben, Knöchel festigen, Make up drüber, Wasserflasche suchen, trinken, Schweiß aus dem Nacken wischen, aufstellen. 
Schultern zurück, los rennen, Sprung! und schon stehen wir wieder im Scheinwerferlicht. Lächeln, egal, wer da im Zuschauerraum sitzt. Ich sehe die Leute nicht mehr, ich lächle meinen Anonymus an. Den, der da hinten sitzt, den der hier vorne sitzt, den der mich anschaut, die, die dort hinten lacht, der, der mich nicht sieht, ich lächle für jeden, der sich angesprochen fühlen möchte. 
Schließlich macht tanzen ja Spaß! und schließlich soll der Zuschauer ja denken, das hier wäre keine Arbeit sondern einzig und allein Vergnügen und wir hätten genau so viel Spaß da oben, wie die da unten im Zuschauerraum. Lächeln, drehen, sich auf den Boden werfen, Schmerzen ignorieren, auf alle achten, und doch niemanden beachten. Drehen, weiter drehen, springen, Schritt, Schritt, Drehung, Fall! Aufstehen, drehen, lächeln, weitermachen, konzentrieren, lächeln.
Auf Brettern, 
die die Welt bedeuten. 

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