Donnerstag, 23. August 2012

Ich schaue nach links wo R. sitzt und uns in aller Ruhe durch den Vorabend Verkehr manövriert. Er hat lässig nur eine Hand am Lenkrad und schaut mich immer wieder an. Ab und zu nickt er, wenn ich ihm etwas sage. Er sagt im richtigen Moment dir richtigen Dinge und kann auch einfach mal den Mund halten. Er Lächelt, wenn er hört, dass ich es auch tue und lacht an den richtigen Stellen. 
Seit ich denken kann, kenne ich diesen Typ. Seit ich denken kann, muss ich ihn immer wieder verlassen und trotzdem ist er mein Fels in der Brandung. Mein Kindheitsheld, der Typ, der mich heulend, mit roten Augen kennt und dann nicht mit Tee um die Ecke kommt sondern sich einfach neben mich auf den Boden legt. 
Er ist der Typ, der meine Tasche trägt, weil er weiß, dass ich finde, dass es sich so gehört. Und er ist auch der, der sich entschuldigt, wenn etwas nicht funktioniert. Egal, wessen Schuld es war. Er ist der, der sich gerade 40min durch den Stau quält, nur um mir das Busfahren zu ersparen. 
Am Bahnhof trägt er meine Tasche. Stellt sie ab, umarmt mich. Lächelt. Wir wissen beide was der andere denkt. Abschied ist schon Gewohnheit. Im Stillen bettele ich ihn an. 
Mach keine Versprechen. Sag nicht, dass du mich besuchen kommst. Sag nicht, dass du mir schreibst. Sag nichts, was wir eh nicht einhalten können. 
Er umarmt mich noch mal. "Wenns Probleme gibt, rufst du an, dann hol ich dich, ja? Und wenn du gut angekommen bist, sagst du bescheid, okay?" ich nicke und ziehe mein Handy aus der Tasche "ich hab deine neue Nummer noch nicht" Er zuckt die Schultern "ich weiß sie auch nicht. Die Homenummer hast du?" ich nicke. Ich kann sie auswendig. Schon immer. 
Der Zug fährt los und alles, was ich sehe ist ein Lulatsch, der ganz langsam zu seinem roten, alten Golf zurück geht. Er dreht sich nochmal um und winkt. Und in der Stille meines Kopfes kommen mir seine Gedanken besonders laut vor. 
Bis nächstes Jahr. Wo auch immer wir dann sein werden. 

4 Stunden später klingelt mein Handy. Mist, ich habs vergessen.
Ich nehme ab "verdammt, ich hab vergessen dich anzurufen." ich höre sein Lächeln "ich weiß. Wollte nur sicher gehen." Ich muss lächeln "Danke." "immer."
tututu. 
Danke. Danke für die wunderbare Zeit, fürs Autofahren, fürs erklären, fürs Trösten. Danke, dafür, dass du mein Leben zurück geholt hast. 

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