Donnerstag, 13. September 2012

Es ist, als wäre sie nie weg gewesen. Die Lichter in unserem Stammcafé sind immer noch die Gleichen, das Licht ist immer noch gemütlich hellgelb. Der Kaffe schmeckt immer noch gleich und noch immer bestellst du den selben Kuchen. Wir tauschen die selben Blicke, die selben Worte. Wie du eine Pause machst, um das richtige Wort zu finden, und wie wir uns Beide noch immer von den selben Dingen ablenken lassen. Wie du lachst und wie ich immer gegen das selbe Tischbein stoße. Wie wir beide noch nie ein Problem damit hatten, wenn alle uns ansehen. Das Lächeln der Bedienung ist immer noch das selbe, distanzierte aber freundliche Grinsen. Der Geruch der Bücher ist der selbe und noch immer lässt du mich an der Kasse kurz stehen, weil du einen besondern Titel entdeckt hast. Noch immer umgibt uns hier diese Spannung. Diese Spannung, die zwischen uns schon immer war. Von der wir Beide nie wissen, ob sie sich gleich in Wohlgefallen oder Streit auflösen wird.
Die Spannung, die sich im entscheidenden Moment in einem Lachen oder einem bösen Kommentar entläd. Sie schaut mir direkt in die Augen "aber wieso ist er dir eigentlich so wichtig?" ich kann nicht antworten. Als wäre meine Kehle zu geschnürt. Ich blicke auf den Boden, an die Decke, rühre in meinem Kaffe herum, spiele mit meinem Löffel, verschütte ein bisschen zu viel Zucker. Beobachte die Menschen am Tisch neben uns, klimpere mit meinem Schlüssel in meiner Tasche, sehe auf den Boden, als würde ich dort die Antwort finden, versuche meine Schlüssel reden zu lassen, sehe überall hin, nur nicht in ihr Gesicht. Und wie immer wartet sie in aller Ruhe auf die Antwort. Wartet, dass ich die richtigen Worte finde, wartet, dass ich mich selber mit der Antwort abgefunden habe, um sie dann selber auszusprechen.
Und dann schaue ich ihr direkt in die Augen. "weil ich ihn geliebt habe."
Und plötzlich fühlt es sich an, als hätte die Wahrheit die Welt angehalten.

Kommentare:

  1. und wieder einmal:
    du hast diese art zu schreiben, die einen alles lesen lässt, jedes wort.
    und dabei genießen.
    ich liebe deine worte, wirklich.
    der letzte satz hält ganz kurz die welt an- so gut ist er.
    irgendwie.
    Lina♥

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  2. ja, ich muss jetzt einfach mal gucken wie sich das jetzt entwickelt.
    es ist abstrus.
    ich bin nicht die art mädchen, der so etwas normalerweise passiert.
    dieser rollentausch.
    wobei es mir dafür viel zu oft passiert.

    ja, theater und circus. ich liebe es. es ist eine ganz andere art der kunst als schreiben und fotografie, aber ich denke ich lieber es beinahe gleichermaßen. es kommt auf noch dazu, dass die leute da wunderbar sind. sie sind fast ein bisschen wie ich.
    bei theater fühle ich mich nie allein. es ist so eine sache, die man im herzen trägt und nicht als schild um den hals.
    und das macht es wunderbar.
    wieso spielst du dann nicht theater?
    schule... ich habe zwei tage unterricht gehabt und da war kaum etwas richtig. wir hatten heute erst zur zweiten schule und dann gottesdienst und büchervergabe, ist also noch nicht wirklich. aber ich genieße es, fragen zu beantworten. ich mag das gefühl.
    und bei dir?

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  3. Dankeschön <3
    Ich hab mich riesig über deinen Kommentar gefreut, aber hey- du kannst auch toll schreiben und auch dieser Text hier ist wieder gut geschrieben. Ich mag sowieso lieber diese tiefgründigeren Blogs, zu denen deiner definitiv auch gehört.

    Hab ein schönes Wochenende und Danke nochmal <3

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