Freitag, 26. Oktober 2012

Meine Fahrstunde fängt erst in 30 min an. Ich habe Ferien, mein iPod ist frisch geladen, oben leuchtet die kleine grüne Batterie. Und ich habe Ferien. Ich habe Zeit. Zeit. Etwas, was sonst nur existiert, weil es regelmäßig knapp wird. Ein Wort, was man sonst nur im negativen Sinne gebraucht, wird plötzlich zu einem der schönsten Dinge. Zeit. 
Ich schlüpfe in meine Winterjacke, ziehe meinen dicken Schuhe an und laufe los. Biege nach rechts ab, obwohl links lang der viel kürzere Weg ist. Musik in meinen Ohren, ein Lächeln auf meinen Lippen. Die Uhrzeit wird unwichtig, vor mir liegt der bunte Wald. Grüne, braune, graue, helle, dunkle Blätter liegen auf dem Boden. 
Es ist kein schöner Tag. Nein, absolut nicht. Es windet kalt und es ist wirklich nicht das Wetter um zufrieden durch den Wald zu laufen.
Aber das ist genau das, was es so schön macht. Ich begegne niemandem auf dem sonst so beliebten Weg. Ein Hund rennt an mir vorbei aber sonst ist niemand zu sehen. Der Wind spielt mit meinen Haaren, pustet durch meinen Ohren, durch meinen Kopf und scheint darin endlich mal aufzuräumen. Es scheint, als würde er alle Gedanken wieder an den richtigen Fleck transportieren. Plötzlich verstehe ich Fs letzte Sätze, plötzlich wird mir der Text des spanischen Liedes, das aus meinen Kopfhörern tönt, klar. Plötzlich weiß ich, dass es für mich mal wieder Zeit wird, mein Zimmer umzuräumen und meinen Freunden zu sagen, dass ich sie lieb hab. Plötzlich weiß ich wieder, dass ich hier eigentlich nicht hingehöre, das mich aber nicht am glücklich sein hindern sollte. Plötzlich weiß ich wieder, dass mich das Meer ruft und ich weiß auch, dass ich dort hinkommen werde. Bald. In naher Zukunft. Aber ich weiß auch, dass das Meer nicht entscheidend ist. Weiß plötzlich, dass es gut ist, dass M eine Freundin hat und mir fällt mir auch wieder ein, dass ich den Menschen nicht hinterher rennen soll. 
Plötzlich fällt mir wieder ein, wie all die Dinge früher waren. 
Und wie sie heute sein sollen.
Und als ein Haufen Blätter vor mir aufgewirbelt wird, das Lied ein Ende hat, ist plötzlich alles so, wie es immer sein sollte. 


1 Kommentar:

  1. Wow, das ist so beeindruckend.
    Wieder einmal könnte ich sagen, dein bester Text, und ich hoffe, das verliert nicht an Wirkung, nur weil ich es so oft sage. Ich liebe deine Texte so, ich liebe deine Worte und Gedanken und ich kenne diese Situationen.
    Ich hoffe, dir geht es immer noch so gut und du weißt, wo alles hingehört... es klingt wunderschön.
    Umarmung an dich! ♥

    ps:du kannst in meinen kommentaren immer luft ablassen. ich kann dir zwar nicht sagen, wie man das alles erklärt, aber ich kann dir sagen, dass ich finde, dass du es bis jetzt schon sehr gut erklärt hast. ich meine, es ist eine unerklärliche gefühlslage. und genau das hast du gut beschrieben.

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