Freitag, 19. Oktober 2012

Unsere Talentshow ist im vollen Gange. Der Sänger vorne am Mikro scheint sich pudelwohl zu fühlen und singt von einem Mädchen. Er nennt sie Lila und erzählt von ihr. 
Sie ist eines dieser Mädchen, die es in jeder Stadt gibt. Sie kennt viele Leute und doch gehört sie nirgends dazu. Sie ist jung und ein bisschen naiv und will so viel wie möglich vom Leben kosten. Sie möchte die Dinge ausprobieren und schreckt doch immer wieder zurück. Sie hält viel von Style und will trotzdem überall auffallen. 
Sie erzählt davon, wie es sein wird, um die Welt zu reisen, wie es sich anfühlen wird heute hier und morgen dort zu sein. Lila träumt davon, von Paris nach Berlin und dann nach Amsterdam zu fahren. Möchte die Welt sehen, ihre Erfahrungen sammeln. 
Sie hat ein bezauberndes Lächeln und kann jeden für sich gewinnen. Lila ist eines der Mädchen, was wir alle für glücklich halten. Eine von denen, die überall dabei sein können und doch häufig fehlen. Sie ist jemand, der zwar Make up trägt, aber trotzdem in den See springt. Sie trinkt Sekt und schläft unter freiem Himmel. Sie trägt Jungs Pullover und lässt sich nicht von ihrem Weg abbringen. 
Lila hat lange Haare und strahlende Augen, mit denen sie Geschichten erzählen kann. 
Lila ist dieses durchschnittliche Mädchen, was doch von allen beneidet wird. 
Und auch wenn ich wirklich nicht eingebildet bin, habe ich im Moment das Gefühl, als würde dieser blonde, alternative Typ nur für mich und nur über mich singen. Ich fühle mich so angesprochen, wie schon lange nicht mehr. 
Denn Lila ist eines dieser Mädchen, was die Freiheit sucht. Tag für Tag versucht, auszubrechen, aus all den Regeln und Normen, die einem beigebracht werden. Aber Lila ist auch jemand, der eine Geschichte hat. Eine Geschichte, die nicht jeder kennt und auch nicht jeder kennen soll. Und während ich meine Haare zurück werfe, merke ich, wie mich meine Freunde anschauen. Wie Y mir von oben einen Blick zuwirft und F mich von der Seite ansieht. Und als ich den Kopf wieder hoch mache, blickt mich der Sänger aus klaren, hellblauen Augen an. 
"Irgendwann wird sie es finden,
doch manche sind einfach nicht geboren um zu bleiben"
singt er, lächelt und spielt den letzten Akkord. 
....bis der letzte Ton verklungen ist.


Kommentare:

  1. wow.
    dieser text ist, und ich weiß, ich habe das schon oft gesagt, noch besser als der letzte und vielleicht dein bester.
    sie werden immer besser, ich lese sie immer noch lieber und halte es doch nie für möglich, dass sie noch besser werden, werde wieder überrascht.
    wirklich, ich kann ehrlich sagen, dass ich deinen blog mittlerweile sehr, sehr liebe.
    und ich glaube, es ist auch deswegen, weil jeder deiner texte irgendwie auch mich selbst zeigt.
    ich bin nicht ganz so beliebt wie diese 'lila', nicht ganz so frei, manchmal fast zu kontrolliert. aber doch irgendwie dieses mädchen, das so sehr sie selbst ist und ihren weg geht.
    love to you, Lina

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  2. Oh ja, Briefe sind etwas wunderbares.
    Vor allem von so weit weg.
    Sie ist ein Mädchen, meine soul sister.
    Der Mensch, der mir am nächsten und ähnlichsten ist.
    Hast du so jemanden?
    Lina♥

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  3. Wunderschöner Post! Und der letzte Spruch gefällt mir, er ist wunderschön. ♥

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  4. Wahrscheinlich, weil er mich auch an mich erinnert. Dazu muss man nicht eingebildet sein, denke ich.

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  5. Und du wurdest getagged :)
    http://mllebouttier.blogspot.de/p/tags.html

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