Mittwoch, 30. Januar 2013

Dein Blick verrät mir, dass du es ernst meinst. Dass ich dir wichtig bin und dass du mich nie anlügen würdest. Wenn du aus der Bahn steigst, bis zur letzten Minute gelernt hast und nachdem du wieder gegangen bist, sofort wieder anfängst. Ich weiß, wie wenig Zeit du hast und ich bewundere dich jeden Tag dafür, wie viel Zeit du dir für mich nimmst. Ich weiß nicht, ob ich genau so viel Kraft in eine Beziehung investieren würde. Ich sehe, wie du Nacht für Nacht arbeitest und wochenweise im Büro schläfst. In deinem Leben gibt es mich und das Auto, das gebaut werden muss. Im Moment gibt es nur Uni und Freundin für dich. Deine Freunde sehen dich nicht mehr und deine Familie bekommt dich nur zu Gesicht, wenn du bei mir bist und noch schnell etwas holen musst. Essen tust du, wenn es die Zeit zulässt, gekocht hast du seit Wochen nicht mehr. Du machst einen Schritt auf mich zu und klappst fast zusammen. Deine Schultern fallen nach vorne und dein Kopf ist immer weiter auf den Boden gerichtet. Du versinkst in meinen Armen, legst dich in mein Bett, fällst in meine Arme und schläfst direkt ein. Es kostet dich Kraft, und gleichzeitig sagst du mir, dass ich das einzige bin, was dir in deinem Leben Halt gibt. Dein bester Freund lächelt mich an und versichert mir: Du tust ihm gut. 
Und trotzdem frage ich mich immer wieder, wieso ich? Wie kommt so ein toller Typ auf die Idee, dass ich die richtige für ihn bin? Womit habe ich dich verdient? Aus welchem Grund willst du mich und nicht irgendein anderes Mädchen? Ein Mädchen, was nicht so viel jünger ist, ein Mädchen, was dünner ist und keine Pickel hat. Ein Mädchen was eine einfachere Geschichte hat und eine weniger komplizierte Familie. Ein Mädchen, was nicht so weit weg wohnt und was mehr Zeit für dich hat. 
Womit habe ich dich verdient? Wenn ich nach einem langen Tag schlechte Laune habe oder dir von meiner verkorksten Familie erzähle. Wenn ich Aufmerksamkeit einfordere und ständig mit einem anderen Typ verabredet bin. Wenn ich dir von einem hübschen Trainer erzähle und darüber läster, dass du ein bisschen "Baby Speck" hast. Wenn ich dir spaßeshalber einen Klaps gebe oder dir beleidigt den Rücken zu drehe, obwohl ich weiß, dass du es nicht so gemeint hast. Wenn wir mal wieder fast den Bus verpassen, weil ich die Zeit vergessen habe und wir dann keuchend am Bahnhof stehen und ich dir nur noch einen flüchtigen Kuss geben kann und ein "ich liebe dich" in dein Ohr hauchen kann, schaue ich dem fahrenden Zug hinterher, hebe langsam die Hand um dir zurück zu winken und frage mich ratlos: Wieso ich? 

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